„Überwindung des Kapitalismus“, da müssen wir uns schon Besseres einfallen lassen

Der Soziale Frieden und die Demokratie kommen unter Druck. Die grossen Einkommensunterschiede, die vor allem im Finanzsektor anzutreffen sind, lassen sich durch nichts mehr rechtfertigen. Absurde Verdienste von Topmanagern die dabei die Bank trotzdem in die Pleite getrieben haben (Lehman Brothers). Das ist ökonomisch unsinnig und moralisch verwerflich.

Einer Studie zufolge betrug im Jahr 2000 der Gini-Koeffizient weltweit 0,892. Demnach besitzt das reichste Prozent der Weltbevölkerung 40 % des Weltvermögens. Die reichsten 10 % besaßen zusammen 85 % des Weltvermögens, die ärmeren 50 % zusammen nur 1 %.[1] Der Ungleichheitswert von 0,892 entspricht annähernd einer Situation, in der von 100 Personen eine Person 90 % besitzt, während die anderen 99 Personen sich die übrigen 10 Prozent teilen.[2]

Die Schweiz steht diesen beschämenden Fakten in nichts nach.

Der neue Geldadel ist so reich geworden, dass er Medien kaufen kann wie unsereiner ein Liter Milch. Politiker stehen unter dem Einfluss von starken Lobbys. Der Nationalrat ist gekauft. Transparenz über die Parteienfinanzierung steht aus. Die Konzentration von Reichtum und Macht in der Finanzindustrie und Politik ist gefährlich und untragbar geworden.

Wie Marc Chesney, Finanzprofessor am Institut für Banking und Finance an der Universität Zürich betont, sind Staatsfinanzen, Schulden und Umweltverschmutzung zu riesigen Problemen geworden, die uns alle interessieren müssen. Deshalb dürfen wir diese Fragen nicht mehr mit ideologischen Scheuklappen angehen. Es geht um Aufklärung.

Diese erzielt man jedoch nicht mit dem Aufschrei nach „Überwindung des Kapitalismus“.

Mit coolen Sprüchen erreicht man keinen finanzkapitalistischen Umbruch. Wir brauchen tragende Entwürfe für die Demontage des kranken Neoliberalismus. Die Linke hat schon den ökologischen Umbau verpasst. Vernachlässigen wir die Analyse des neuen Kapitalismus und finden wir keine Strategien werden Ideen sozialer Gerechtigkeit, der Befreiung von Zwängen, des Gemeinsinn und Chancengleichheit Illusionen bleiben. Denn eines zeichnet sich deutlich ab: Wirtschaft und Kapitalismus sind ein fest verankertes Kulturgut in unserer globalisierten Gesellschaft – das Finanzkapital schafft die Grundlage des sozialen Ausgleichs, des Primats gesellschaftlicher Regulierung, der Solidarität, wahrscheinlich sogar der Demokratie ab. Wollen wir etwas bewegen müssen wir die Realität des Kapitalismus anerkennen aber insbesondere müssen wir wissen, wie Kapitalismus funktioniert. Links hin oder her.

1 World Institute for Development Economics Research (UNI-WIDER): Pioneering Study Shows Richest    Two Percent Own Half World Wealth, Dezember 2006

2 The World Distribution of Household Wealth. Discussion Paper No. 2008/03 von James B. Davies, Susanna Sandström, Anthony Shorrocks, Edward N. Wolff für UNU-WIDER, Februar 2008, S. 7.

 

Ein Kommentar zu „Überwindung des Kapitalismus“, da müssen wir uns schon Besseres einfallen lassen

  1. Jonas Hostettler

    Bravo! Insbesondere sollten wir aufzeigen, dass die neoliberalen Rezepte auch nicht wirtschaftsfreundlich sind, keine Arbeitsplätze und kein höheres Einkommen schaffen. Die neoliberale Annahme, dass der kurzsichtige Egoismus des Einzelnen zum Gemeinwohl führen soll ist absurd… Aber leider inzwischen breit akzeptiert (NZZ, FDP, GLP, CVP, SVP…). Die SP soll hier seriös  informieren, die Fakten sprechen für uns. Die Diskussion um die Überwindung des Kapitalismus ist eine Akademische, die meisten Leute kennen nur Kommunismus und Kapitalismus – es ist müssig, die weiteren Nuancen aufzuzeigen, besser zeigt man die Fehler des Neoliberalismus auf und zeigt funktionierende Lösungen. Keynes beispielsweise. 

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